Datenroaming im Ausland: wann es gratis ist und wann es teuer wird
Innerhalb der EU nutzt du dein Handy im Urlaub wie zu Hause, ohne Aufschlag. Ein paar Kilometer weiter, außerhalb der EU, kann dieselbe Karten-App plötzlich einen dreistelligen Betrag kosten. Der Unterschied liegt allein daran, in welchem Netz dein Smartphone gerade hängt. Dieser Ratgeber erklärt dir, wo Roaming nichts kostet, wo die teuren Zonen anfangen und wie du das Datenroaming mit zwei Handgriffen abschaltest, bevor die Rechnung kommt.
Das Wichtigste in Kürze
- In der EU und im EWR gilt „Roam like at home". Daten, Telefonie und SMS laufen ohne Aufschlag über dein Inlandsvolumen. EWR heißt: die 27 EU-Staaten plus Norwegen, Island und Liechtenstein.
- Außerhalb der EU ist Roaming teuer. Ohne gebuchtes Paket verlangen Netze sehr hohe Preise, manche sperren Datenroaming ganz.
- Die Kostenbremse stoppt bei 59,50 Euro. Sie greift auch außerhalb der EU, schützt aber nur vor dem ganz großen Schaden, nicht vor teuren Megabyte-Preisen.
- Datenroaming lässt sich abschalten, auf iPhone und Android in wenigen Sekunden. Das ist der sicherste Schutz außerhalb der EU.
- Zwei versteckte Fallen: die Mailbox abzuhören zählt als Verbindung, und auf Kreuzfahrten oder Fähren buchen sich Handys in teure Satellitennetze ein.
Die EU-Regel: „Roam like at home"
Seit dem 15. Juni 2017 gilt in der gesamten EU „Roam like at home". Übersetzt heißt das: Wenn du innerhalb der EU unterwegs bist, telefonierst, simst und surfst du zu denselben Konditionen wie daheim. Dein Anbieter darf keine Roaming-Aufschläge mehr verlangen, das Volumen geht von deinem normalen Inlandstarif ab. Neben den 27 EU-Staaten gehören auch Norwegen, Island und Liechtenstein dazu, zusammen bilden sie den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR).
Für die meisten Reisenden ist das der ganze Trick: Handy einschalten, wie gewohnt nutzen, fertig. Es gibt nur zwei Feinheiten, die du kennen solltest.
Die Fair-Use-Grenze
Wer einen Tarif mit sehr großer oder unbegrenzter Inklusiv-Datenmenge hat, stößt im EU-Ausland irgendwann an eine Fair-Use-Grenze. Sie soll verhindern, dass jemand einen günstigen Tarif aus einem anderen Land dauerhaft komplett im Ausland verbraucht. Wie hoch die Grenze liegt, hängt von deinem konkreten Tarif ab. Dein Anbieter muss dich per SMS informieren, wenn du sie erreichst.
Oberhalb dieser Grenze darf der Anbieter einen kleinen, gesetzlich gedeckelten Aufschlag verlangen. Dieser Deckel liegt aktuell bei rund 1,30 Euro netto je Gigabyte. Wichtig: Das ist der EU- Großhandelsdeckel, und er gilt nur innerhalb der EU oberhalb der Fair-Use-Grenze. Es ist kein allgemeiner Auslands-Deckel, der dich auch außerhalb Europas schützt. Genau hier liegt das größte Missverständnis.
Außerhalb der EU: hier wird es teuer
Sobald du die EU verlässt, endet der Roaming-Schutz. Ob Schweiz, Türkei, USA oder ein Fernziel: Ohne gebuchtes Paket verlangen die Netzbetreiber vor Ort sehr hohe Preise für jedes Megabyte. Zur Einordnung ein Beispiel, wie es Netzbetreiber ausweisen: rund 0,49 Euro je 50 Kilobyte. Rechnet man das hoch, sind das grob gut 11 Euro je Megabyte. Ein einziges hochgeladenes Urlaubsfoto oder eine kurze Kartennavigation kann so richtig ins Geld gehen. Manche Anbieter sperren Datenroaming außerhalb der EU sogar komplett, bis du aktiv ein Paket buchst.
Für solche Reisen bieten die Netzbetreiber Länder-Datenpässe an: ein festes Datenpaket für eine Region oder ein Land zu einem im Voraus bekannten Preis. Ob sich das lohnt, hängt vom Ziel und deinem Verbrauch ab. Für eine konkrete Tarif- oder Prepaid-Empfehlung ist der persönliche Rat vor Ort am zuverlässigsten. Unser Team im talk-point Store in Eilenburg schaut sich mit dir an, was zu deiner Reise passt.
Die Kostenbremse als Notbremse
Für Daten gibt es einen gesetzlichen Schutz, den sogenannten Kostenairbag oder die Kostenbremse. Sie greift standardmäßig bei 59,50 Euro pro Monat. Ist dieser Betrag an Datenkosten erreicht, wird die Verbindung getrennt, bis du dem weiteren Verbrauch aktiv zustimmst. Diese Grenze gilt auch außerhalb der EU, sofern der Anbieter deinen Verbrauch in Echtzeit überwachen kann. In manchen entlegenen Netzen ist das nicht der Fall.
Verstehe die Kostenbremse als Notbremse, nicht als Freibrief. Sie bewahrt dich vor der Rechnung über mehrere hundert Euro, aber 59,50 Euro sind trotzdem viel Geld für ein bisschen Datenverkehr, den du in der EU gratis hättest. Der bessere Weg ist, Roaming außerhalb der EU von vornherein zu steuern.
Datenroaming abschalten: so geht's
Der sicherste Schutz außerhalb der EU ist, das Datenroaming einfach auszuschalten. Dein Handy funktioniert dann weiter über WLAN, baut aber keine teure mobile Datenverbindung im Ausland auf.
Auf dem iPhone:
- Öffne die Einstellungen.
- Tippe auf Mobilfunk.
- Wähle Datenoptionen.
- Schalte Datenroaming aus.
Auf einem Android-Smartphone:
- Öffne die Einstellungen.
- Gehe zu Verbindungen beziehungsweise Netzwerk & Internet.
- Tippe auf Mobile Netzwerke.
- Schalte Datenroaming aus.
Die genaue Bezeichnung kann je nach Hersteller und Android-Version leicht abweichen, der Weg ist aber überall ähnlich. Innerhalb der EU kannst du Datenroaming eingeschaltet lassen, dort entstehen keine Aufschläge. Erst außerhalb der EU wird das Abschalten zum Sparhebel.
Die zweite Falle: die Mailbox
Ein Kostenfaktor, an den kaum jemand denkt: die Mailbox. Rufst du im Ausland deine Mailbox ab oder wird ein Anruf auf die Mailbox umgeleitet, zählt das als Verbindung und kann kosten, selbst wenn du selbst gar nicht telefonierst. Innerhalb der EU ist das meist unkritisch, außerhalb kann es sich summieren.
Schalte deshalb vor einer Reise außerhalb der EU am besten die Mailbox oder die Rufumleitung auf die Mailbox ab. Wie das geht, hängt vom Anbieter ab, meist läuft es über einen kurzen Steuercode oder die Einstellungen deines Tarifs. Nach der Reise aktivierst du sie einfach wieder.
Kreuzfahrt und Fähre: Vorsicht Satellitennetz
Eine besonders teure Falle lauert auf dem Wasser. Sobald ein Schiff die Küste hinter sich lässt, gibt es kein normales Mobilfunknetz mehr. Stattdessen buchen sich Handys in ein Satellitennetz oder ein bordeigenes Netz ein, oft mit Namen wie „Cellular at Sea" oder „maritime". Diese Netze liegen außerhalb des EU-Roamings, auch wenn das Schiff formal zwischen zwei EU-Häfen fährt. Die Preise sind extrem hoch.
Die einfache Lösung: Sobald du an Bord bist und die Küste außer Sicht gerät, schalte den Flugmodus ein und nutze das WLAN an Bord oder im nächsten Hafen. So verhinderst du, dass sich dein Handy unbemerkt ins Satellitennetz einwählt.
Alternativen außerhalb der EU
Wenn du außerhalb der EU trotzdem online sein willst, ohne die Megabyte-Preise zu zahlen, hast du im Wesentlichen zwei gute Wege:
- WLAN plus Offline-Karten. In Hotels, Cafés und vielen öffentlichen Orten gibt es WLAN. Für die Navigation lädst du dir vorher das Kartenmaterial herunter, dann brauchst du unterwegs gar keine Verbindung. Wie das funktioniert, steht im Ratgeber Karten offline nutzen zur Navigation. Auch deine Urlaubsfotos sicherst du am besten über WLAN, nicht über teures mobiles Datenroaming.
- Ein eSIM-Datenpaket. Viele moderne Smartphones unterstützen eine zweite, digitale SIM. Damit buchst du für dein Reiseziel ein lokales Datenpaket, oft günstiger und mit vorher bekanntem Preis. Wie das im Detail läuft, zeigt der Ratgeber eSIM im Ausland nutzen.
Ob dein nächstes Ziel überhaupt schnelles Netz hat, ist eine andere Frage als die nach den Kosten. Was sich hinter den Netzstandards verbirgt, erklärt der Ratgeber 5G und LTE im Unterschied.
Häufige Fragen
Kostet Datenroaming innerhalb der EU etwas extra? Nein. Seit dem 15. Juni 2017 gilt „Roam like at home". In der EU und im EWR nutzt du Daten, Telefonie und SMS zu denselben Konditionen wie zu Hause, ohne Aufschlag. Nur bei sehr großen Inklusiv-Datenmengen kann oberhalb einer Fair-Use-Grenze ein kleiner regulierter Aufschlag anfallen.
Warum ist Roaming außerhalb der EU so teuer? Weil der EU-Roaming-Schutz dort nicht gilt. Die Netzbetreiber vor Ort setzen ihre eigenen Preise an, und ohne gebuchtes Paket sind die sehr hoch. Zur Einordnung nennen Anbieter Beispielpreise wie rund 0,49 Euro je 50 Kilobyte, das entspricht grob gut 11 Euro je Megabyte.
Schützt mich die Kostenbremse von 59,50 Euro auch außerhalb der EU? Ja, sofern der Anbieter deinen Verbrauch in Echtzeit überwachen kann. Die Grenze von 59,50 Euro bewahrt dich vor dem ganz großen Schaden. Sie ersetzt aber nicht die Vorsorge, denn 59,50 Euro sind schnell erreicht, wenn jedes Megabyte teuer ist.
Muss ich Datenroaming in der EU ausschalten? Nein. In der EU entstehen keine Aufschläge, dort kannst du Datenroaming eingeschaltet lassen. Erst außerhalb der EU ist das Abschalten sinnvoll, um teure Verbindungen zu vermeiden.
Warum kostet mich die Mailbox im Ausland Geld? Weil das Abhören der Mailbox oder eine Umleitung auf die Mailbox als Verbindung zählt. Das kann außerhalb der EU teuer werden, selbst wenn du selbst nicht telefonierst. Am besten schaltest du die Mailbox vor der Reise ab.
Gilt EU-Roaming auch auf einer Kreuzfahrt? Nein. Auf hoher See läuft dein Handy über ein Satellitennetz, und das ist nicht vom EU-Roaming gedeckt, auch wenn das Schiff zwischen EU-Häfen fährt. Schalte an Bord den Flugmodus ein und nutze WLAN.
Fazit: In der EU sorglos, außerhalb bewusst
Die Faustregel ist einfach: Innerhalb der EU und des EWR kannst du dein Handy im Urlaub sorglos nutzen, es kostet nicht mehr als zu Hause. Sobald du die EU verlässt, drehst du den Spieß um. Dann gilt: Datenroaming ausschalten, Mailbox deaktivieren und dich bewusst für ein Datenpaket, eine eSIM oder schlicht WLAN mit Offline-Karten entscheiden. Die gesetzliche Kostenbremse bei 59,50 Euro ist dabei nur die Notbremse, nicht dein Plan.
Wer viel reist, ist mit einem Smartphone gut beraten, das eine zweite eSIM unterstützt, ob fabrikneu oder generalüberholt. So buchst du dir am Reiseziel unkompliziert ein lokales Datenpaket, ohne die Haupt-SIM anzutasten.
Über diesen Ratgeber
Diesen Ratgeber hat Talki zusammengestellt, der digitale Assistent von talk-point. Du hast eine Frage, die hier nicht beantwortet wird, oder brauchst Hilfe bei der Geräteauswahl? Frag Talki — er hilft dir direkt weiter.