Kindersicherung am Smartphone einrichten
Das erste eigene Smartphone ist ein großer Schritt. Die gute Nachricht: Du brauchst keine zusätzliche App und kein Abo, um es kindgerecht zu machen. Sowohl Apple als auch Google haben die Kindersicherung fest ins Betriebssystem eingebaut. Damit legst du Bildschirmzeiten fest, gibst Apps frei oder sperrst sie, filterst Inhalte nach Alter und siehst, wo das Gerät ist. Diese Anleitung zeigt beides Schritt für Schritt, für iPhone und für Android.
Ein Wort vorweg: Technik ist nur die halbe Miete. Die beste Einstellung ersetzt nicht das Gespräch darüber, was im Netz passiert. Sieh die Kindersicherung als Stützrad, das du nach und nach lockern kannst, wenn dein Kind sicherer wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Beides ist kostenlos und im Betriebssystem enthalten, ohne Zusatz-App.
- iPhone: Familienfreigabe einrichten, dann die Bildschirmzeit des Kindes verwalten. Zentrale Bausteine: Auszeit, App-Limits, Inhaltsbeschränkungen, Kommunikationslimits, Kaufanfrage.
- Android: die App Google Family Link (auf neueren Geräten direkt in den Einstellungen unter „Digital Wellbeing & Jugendschutz"). Zentrale Bausteine: Tageslimit, Schlafenszeit, App-Freigabe, Inhaltsfilter bei Google Play und Standort.
- Richte die Kontrolle vom Eltern-Konto aus ein und schütze sie mit einem Code bzw. dem Eltern-Login, damit die Einstellungen nicht einfach geändert werden können.
- Beide Systeme funktionieren auch mit einem generalüberholten Gerät genauso wie mit einem neuen.
iPhone: Familienfreigabe und Bildschirmzeit
Beim iPhone läuft die Kindersicherung über zwei Bausteine, die zusammenspielen: die Familienfreigabe (sie verbindet dein Konto mit dem des Kindes) und die Bildschirmzeit (dort stehen die eigentlichen Regeln).
1. Familienfreigabe einrichten und das Kind hinzufügen
- Öffne auf deinem iPhone Einstellungen und tippe oben auf deinen Namen.
- Tippe auf Familie (bzw. Familienfreigabe einrichten, falls noch nicht geschehen).
- Tippe auf Mitglied hinzufügen und dann auf Kinderaccount erstellen, um eine neue Apple Account (Apple-ID) für dein Kind anzulegen. Hat dein Kind schon eine eigene Apple-ID, kannst du diese stattdessen zur Familie einladen.
- Folge den Schritten und lege fest, dass du als Elternteil bzw. erziehungsberechtigte Person geführt wirst. Dadurch darfst du die Kindersicherung verwalten.
Tipp für ein neues Gerät: Wenn du das iPhone des Kindes von Anfang an einrichtest, bietet iOS direkt an, es „für ein Kind" zu konfigurieren. Dann sind die wichtigsten Schutzeinstellungen schon beim ersten Start aktiv.
2. Bildschirmzeit für das Kind festlegen
Du kannst die Bildschirmzeit deines Kindes aus der Ferne von deinem iPhone verwalten (über Einstellungen → [dein Name] → Familie → Kind auswählen → Bildschirmzeit) oder direkt auf dem Gerät des Kindes unter Einstellungen → Bildschirmzeit. Diese Regeln stehen zur Verfügung:
- Auszeit: Zeitfenster, in denen nur erlaubte Apps und Anrufe funktionieren, etwa nachts oder zur Hausaufgabenzeit.
- App-Limits: tägliche Obergrenzen nach App-Kategorien, zum Beispiel eine Stunde Spiele oder soziale Netze pro Tag.
- Kommunikationslimits: legt fest, mit wem dein Kind während der Nutzungszeit und in der Auszeit telefonieren oder schreiben darf.
- Beschränkungen für Inhalt & Datenschutz: blendet nicht jugendfreie Inhalte aus und setzt Altersfreigaben für Apps, Filme, Musik und Webseiten.
- Kaufanfrage („Käufe genehmigen"): dein Kind kann Apps oder Käufe nur nach deiner Freigabe herunterladen. Du bekommst die Anfrage auf dein iPhone und tippst auf erlauben oder ablehnen.
3. Die Einstellungen mit einem Code schützen
Damit dein Kind die Regeln nicht einfach selbst ausschaltet, vergib einen eigenen Bildschirmzeit-Code: Einstellungen → Bildschirmzeit → Code für Bildschirmzeit verwenden. Wähle einen Code, den nur du kennst, und hinterlege deine Apple-ID, falls du ihn einmal zurücksetzen musst. Wenn du die Bildschirmzeit aus der Familienfreigabe heraus verwaltest, ist sie ohnehin an dein Konto gebunden.
Android: Google Family Link
Bei Android übernimmt Google Family Link die Kindersicherung. Auf vielen aktuellen Geräten ist sie schon in den Einstellungen unter Digital Wellbeing & Jugendschutz oder Google → Elternaufsicht eingebaut; ansonsten lädst du die kostenlose App „Family Link" aus dem Play Store.
Voraussetzungen
- Du brauchst ein eigenes Google-Konto und musst volljährig sein.
- Dein Kind braucht ein eigenes Google-Konto. Das legst du im Zuge der Einrichtung an („Für mein Kind") oder verknüpfst ein bestehendes.
- Das Kindergerät sollte Android 6.0 oder neuer sein. Du kannst Family Link von einem Android- oder iPhone aus steuern.
1. Konto anlegen und Gerät verknüpfen
- Installiere Family Link auf deinem eigenen Smartphone (oder öffne Einstellungen → Google → Elternaufsicht) und melde dich mit deinem Google-Konto an.
- Wähle Kind hinzufügen und dann, ob du ein neues Google-Konto für dein Kind erstellst oder ein bestehendes verknüpfst.
- Nimm das Gerät des Kindes zur Hand und melde es mit dem Kinder-Konto an. Beim Einrichten eines neuen Geräts tippst du auf „Für mein Kind", wenn du nach einem Konto gefragt wirst.
- Bestätige die Verknüpfung. Auf dem Kindergerät muss der Einrichtung zugestimmt werden, danach ist die Elternaufsicht aktiv.
2. Die Kontrollen einrichten
In der Family Link App wählst du das Konto deines Kindes und richtest ein:
- Bildschirmzeit → Tageslimit: maximale Nutzungsdauer pro Tag, auf Wunsch je Wochentag unterschiedlich.
- Schlafenszeit: ein Zeitfenster, in dem das Gerät gesperrt ist.
- App-Limits und App-Freigabe: einzelne Apps zeitlich begrenzen, sperren oder freigeben. Neue Downloads aus dem Play Store kannst du genehmigungspflichtig machen.
- Inhaltsfilter: bei Google Play nicht jugendfreie Inhalte über Altersfreigaben sperren, dazu Filter für Chrome, die Google-Suche (SafeSearch) und YouTube.
- Standort: den Standort des Android-Geräts in der App anzeigen lassen.
- Bonuszeit: kurzfristig mehr Zeit freigeben, etwa am Wochenende.
Die Regeln gelten auf allen Geräten, die mit dem Kinder-Konto verbunden sind, und lassen sich jederzeit aus der App anpassen.
iPhone oder Android, was ist besser für mein Kind?
Beide Systeme nehmen sich bei der Kindersicherung wenig. Apple punktet mit einer sehr durchgängigen, vertrauten Bedienung, wenn die Familie ohnehin iPhones nutzt. Google Family Link ist ähnlich mächtig und auf der großen Auswahl an günstigen Android-Geräten verfügbar. Entscheide eher nach Budget, vorhandenem Ökosystem und Gerät als nach der Kindersicherung allein, denn die ist auf beiden Seiten gut.
Worauf es beim ersten Handy sonst ankommt (Preis, Update-Versorgung, passende Modelle neu und generalüberholt), haben wir hier zusammengefasst: Smartphones fürs Kind.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter ergibt ein eigenes Smartphone Sinn? Es gibt kein festes Alter. Viele Familien starten zum Übergang auf die weiterführende Schule, wenn der Schulweg länger wird und Erreichbarkeit zählt. Mit der Kindersicherung kannst du den Funktionsumfang Schritt für Schritt erweitern, statt von Anfang an alles freizugeben.
Kostet die Kindersicherung etwas? Nein. Sowohl die Bildschirmzeit mit Familienfreigabe bei Apple als auch Google Family bei Android sind kostenlos und im Betriebssystem enthalten. Du brauchst keine zusätzliche App und kein Abo.
Kann mein Kind die Kindersicherung umgehen? Wenn du die Einstellungen mit dem Bildschirmzeit-Code (iPhone) bzw. über das Eltern-Konto (Android) schützt, lassen sie sich nicht einfach abschalten. Hundertprozentige Sicherheit gibt kein System. Darum bleibt das Gespräch über die Nutzung wichtig.
Funktioniert das auch auf einem generalüberholten Handy? Ja. Die Kindersicherung hängt am Betriebssystem und am Konto, nicht am Zustand des Geräts. Ein generalüberholtes, im Haus geprüftes Smartphone lässt sich genauso einrichten wie ein neues, und ist beim ersten Handy oft die vernünftigere Wahl.
Brauche ich für mein Kind ein eigenes Konto? Ja. Bei Apple legst du eine Apple-ID mit Kinderaccount an, bei Android ein Google-Konto für dein Kind. Das geschieht direkt während der Einrichtung und ist die Voraussetzung dafür, dass du die Regeln aus der Ferne verwalten kannst.