Wasserdicht: was IP67, IP68 und Co. wirklich bedeuten
„IP68, also wasserdicht, da kann ich ja mit ins Schwimmbad." Genau dieser Schluss ist falsch, und er kann ein teures Gerät kosten. IP-Schutzarten klingen eindeutig, sagen aber etwas anderes, als die meisten denken. Hier bekommst du eine ehrliche Einschätzung: was die Ziffern wirklich bedeuten, warum Pool, Meer und Dusche nicht abgedeckt sind, warum der Schutz mit der Zeit nachlässt und warum Wasserschäden meist nicht unter die Garantie fallen.
Das Wichtigste in Kürze
- IP-Schutzarten sind genormt (IEC 60529): die erste Ziffer steht für Staub (0 bis 6), die zweite für Wasser (0 bis 8, dazu 9K). Ein X heißt nur „nicht geprüft", nicht „kein Schutz".
- IP67 bedeutet genormt 1 Meter Tiefe für 30 Minuten in Süßwasser. IP68 bedeutet tiefer als 1 Meter, aber Tiefe und Dauer legt der Hersteller selbst fest.
- Geprüft wird im Labor mit klarem, ruhendem Süßwasser, nicht in Bewegung und nicht im Alltag.
- Nicht abgedeckt sind Chlorwasser (Pool), Salzwasser (Meer), Seife und Duschgel, warmes Wasser und Dampf sowie Druck und Strahl (Sprung ins Wasser, Wasserrutsche).
- Der Schutz lässt nach. Dichtungen altern, Stürze und das Öffnen bei Reparaturen schwächen ihn.
- Wasserschäden sind meist nicht von der Garantie gedeckt. Hersteller schließen Flüssigkeitsschäden aus.
Was die IP-Schutzart wirklich aussagt
Hinter „IP68" steckt die Norm IEC 60529 (in Europa EN 60529). Der Code besteht aus zwei Ziffern: die erste für den Schutz gegen feste Stoffe und Staub, die zweite für den Schutz gegen Wasser.
| Code | Bedeutung |
|---|---|
| erste Ziffer 6 | staubdicht (vollständiger Schutz gegen Staub) |
| IPX4 | Schutz gegen Spritzwasser aus allen Richtungen |
| IPX7 | zeitweiliges Untertauchen: 1 Meter, 30 Minuten (Süßwasser, Labor) |
| IPX8 | dauerhaftes Untertauchen: tiefer als 1 Meter, Tiefe und Dauer legt der Hersteller fest |
| IPX9 / 9K | Hochdruck- und Dampfstrahl aus kurzer Distanz (für Smartphones kaum relevant) |
Zwei Dinge, die kaum jemand weiß: Das X (etwa in IPX8) bedeutet nur, dass die andere Eigenschaft nicht geprüft wurde. Und ab IPX7 ist die Skala nicht aufeinander aufbauend: Ein Gerät mit IPX8 ist nicht automatisch gegen einen Wasserstrahl (IPX5/6) geschützt. Beides gilt nur, wenn beide Codes genannt sind.
IP67 oder IP68: der feine, wichtige Unterschied
- IP67 ist genormt und einheitlich: staubdicht, 1 Meter Tiefe, 30 Minuten, Süßwasser.
- IP68 heißt nur „tiefer als 1 Meter", die genaue Tiefe und Dauer definiert der Hersteller selbst.
Deshalb steht „IP68" bei verschiedenen Geräten für völlig unterschiedliche Werte. Samsung nennt für viele Galaxy-Modelle 1,5 Meter und 30 Minuten, Apple je nach iPhone-Modell bis zu mehrere Meter, jeweils 30 Minuten. Die Ziffer allein sagt also nicht, wie tief. Maßgeblich ist die konkrete Angabe des Herstellers.
Was geprüft wird, und was nicht
Das ist der Kern der ehrlichen Einschätzung. Die Wasserprüfung läuft unter Laborbedingungen mit klarem, ruhendem Süßwasser an einem fabrikneuen Gerät. Nicht Teil der Prüfung sind:
- Chlorwasser im Schwimmbad und Salzwasser im Meer. Salz ist korrosiv und greift Dichtungen und die Kontakte im Ladeport an.
- Seife, Duschgel, Shampoo. Tenside setzen die Oberflächenspannung herab, dadurch dringt Flüssigkeit durch Dichtungen, die reines Wasser abweisen.
- Warmes Wasser, Dusche, Sauna, Dampf.
- Druck und Bewegung: der Sprung ins Wasser, die Wasserrutsche, Schwimmzüge. Das ist etwas anderes als ruhiges Eintauchen.
Genau deshalb sagen die Hersteller es selbst deutlich. Apple rät, das iPhone von Seife, Reinigungsmitteln, Parfüm, Sonnencreme und Öl fernzuhalten und es nicht beim Schwimmen oder in der Sauna zu nutzen. Samsung schreibt, die Wasserbeständigkeit sei „nicht dauerhaft", und rät von Salzwasser, Poolwasser und Seifenwasser ab. Wie ernst das ist, zeigt ein Fall aus Australien: Die Wettbewerbsbehörde ACCC verhängte 14 Millionen australische Dollar Strafe, weil Galaxy-Geräte in der Werbung am Pool und im Meer gezeigt wurden, obwohl genau das den Ladeport korrodieren lassen kann.
Wasserdicht oder wassergeschützt?
Die Hersteller sprechen bewusst von „wassergeschützt" oder „wasserabweisend", nicht von „wasserdicht". Das ist kein Wortspiel: „Wasserdicht" suggeriert, das Gerät halte Wasser unter allen Umständen ab. Das stimmt nicht. Korrekt ist ein begrenzter, geprüfter Schutz unter bestimmten Bedingungen. Wir bleiben deshalb auch bei „wassergeschützt".
Der Schutz hält nicht ewig
Eine IP-Angabe ist eine Momentaufnahme ab Werk. Im Alltag lässt der Schutz nach:
- Dichtungen altern und werden spröde.
- Stürze verziehen Gehäuse und Dichtflächen, oft unsichtbar.
- Reparaturen bedeuten, dass das Gerät geöffnet wird. Danach ist die werkseitige Dichtigkeit in der Regel nicht mehr gegeben, wenn die Dichtung nicht in einer Fachwerkstatt fachgerecht neu gesetzt wird.
Ein zwei Jahre altes Gerät ist also nicht mehr so dicht wie am ersten Tag, auch wenn auf dem Datenblatt weiter „IP68" steht.
Zahlt die Garantie bei Wasserschaden?
In der Regel nein. Hersteller schließen Flüssigkeitsschäden in ihrer Garantie aus, Apple sagt das ausdrücklich. Und die gesetzliche Gewährleistung greift nur bei Mängeln, die schon beim Kauf vorlagen, nicht bei einem selbst verursachten Wasserschaden. „Wassergeschützt" ist also kein Freibrief und keine Versicherung.
Sportuhr statt Handy fürs Schwimmen
Wer wirklich schwimmen gehen will, schaut nicht auf die IP-Angabe, sondern auf eine Schwimm-Freigabe. Viele Smartwatches und Sportuhren sind nach „5 ATM" geprüft, das ist eine eigene Norm für Wasserdruck und erlaubt in der Regel das Schwimmen. Smartphones haben das fast nie. Bei Bluetooth-Kopfhörern fürs Training reicht meist IPX4 gegen Schweiß und Spritzwasser, tauchen sollte man sie nicht.
Was bedeutet das beim Gebrauchtkauf?
Ehrlich: Bei einem gebrauchten oder generalüberholten Gerät gilt die werkseitige IP-Dichtigkeit nicht mehr als garantiert, vor allem wenn es schon einmal geöffnet wurde. Sieh den IP-Wert eines älteren Geräts als Hinweis auf die ursprüngliche Bauart, nicht als Zusage. Behandle jedes Gerät, neu wie gebraucht, lieber so, als wäre es nur spritzwassergeschützt. Stöbern kannst du bei den Smartphones.
Talkis Empfehlung
Nutz den IP-Schutz als das, was er ist: eine Reserve gegen Regen, Spritzer und das Missgeschick mit dem Waschbecken, nicht als Eintrittskarte ins Schwimmbad. Halte das Gerät von Salzwasser, Chlor und Seife fern, und wenn es doch nass wurde, spül es mit klarem Wasser ab und lass es gründlich trocknen, bevor du es lädst. Fürs Schwimmen nimm eine Uhr mit 5-ATM-Freigabe. Fragen dazu? Frag mich.
Häufige Fragen
Kann ich mit einem IP68-Handy schwimmen gehen? Besser nicht. IP68 wird mit ruhendem Süßwasser im Labor geprüft. Schwimmen bringt Bewegung und Druck, Pool- und Meerwasser enthalten Chlor oder Salz. Beides ist nicht abgedeckt, Apple und Samsung raten davon ab.
Was ist der Unterschied zwischen IP67 und IP68? IP67 bedeutet genormt 1 Meter für 30 Minuten in Süßwasser. IP68 bedeutet tiefer als 1 Meter, aber Tiefe und Dauer legt der Hersteller fest, deshalb steht IP68 bei verschiedenen Geräten für unterschiedliche Werte.
Heißt IP68, dass das Handy beliebig tief darf? Nein. Die 8 sagt nur „mehr als 1 Meter unter Herstellerbedingungen". Maßgeblich ist die konkrete Angabe des Herstellers, etwa 1,5 oder mehrere Meter, jeweils 30 Minuten.
Darf ich unter der Dusche oder in der Sauna telefonieren? Nein. Warmes Wasser, Dampf und Seife sind nicht Teil der Prüfung und setzen den Dichtungen zu. Die Hersteller raten davon ab.
Mein Handy ist wassergeschützt, zahlt der Hersteller bei Wasserschaden? In der Regel nicht. Hersteller schließen Flüssigkeitsschäden in ihrer Garantie aus. Die gesetzliche Gewährleistung betrifft nur Mängel ab Werk, nicht selbst verursachte Wasserschäden.
Bleibt der Wasserschutz für immer erhalten? Nein. Dichtungen altern, Stürze und Reparaturen schwächen sie. Der IP-Wert gilt für den Neuzustand und nimmt mit der Zeit ab.
Welches Gerät ist wirklich zum Schwimmen geeignet? Eine Smartwatch oder Sportuhr mit 5-ATM-Freigabe, die für Wasserdruck geprüft ist. Smartphones sind das in aller Regel nicht.