Was bedeutet die Blende (f-Wert) bei der Kamera?

Was bedeutet die Blende (f-Wert) bei der Kamera?

Tech-Wissen · Hintergrund
Dieser Artikel geht tiefer als unsere üblichen Ratgeber. Oben steht die verständliche Erklärung mit dem praktischen Fazit, weiter unten der Abschnitt für alle, die genau wissen wollen, warum eine kleine Zahl eine große Öffnung meint und was das mit der Schärfentiefe zu tun hat. Mit Quellen zum Nachlesen.

Auf jedem Kamera-Datenblatt steht eine Angabe wie f/1.8 oder f/2.2. Das ist die Blende, oft auch f-Wert oder Blendenzahl genannt. Verwirrend daran ist vor allem, dass eine kleinere Zahl die größere Öffnung bedeutet: f/1.8 lässt mehr Licht durch als f/2.8. Wer eine neue Kamera oder ein Smartphone vergleicht, stolpert genau darüber. Dieser Artikel erklärt, was die Blende ist, warum die Zahl umgekehrt läuft, was sie mit Helligkeit und mit dem unscharfen Hintergrund zu tun hat und warum ein niedriger f-Wert am Smartphone nicht dasselbe leistet wie an einer großen Kamera.

Talkis Tipp. Wenn du dir nur eine Sache merkst: Die Zahl hinter dem f ist umgekehrt zu lesen. Je kleiner die Zahl, desto größer die Öffnung und desto mehr Licht fällt aufs Bild. f/1.8 ist also lichtstärker als f/2.4. Beim Smartphone kannst du die Blende in aller Regel nicht verstellen, sie ist fest verbaut. Der Wert im Datenblatt sagt dir trotzdem, wie gut die Kamera bei wenig Licht arbeitet. Ein niedriger f-Wert ist bei schlechten Lichtverhältnissen ein echter Vorteil. — Talki, dein Berater

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Blende ist die Öffnung, durch die Licht ins Objektiv fällt. Der f-Wert beschreibt, wie groß diese Öffnung im Verhältnis zur Brennweite ist.
  • Kleine Zahl, große Öffnung. f/1.8 ist eine weite Öffnung, f/8 eine kleine. Das wirkt widersinnig, ergibt sich aber daraus, dass die Zahl ein Bruch ist.
  • Kleiner f-Wert bedeutet mehr Licht. Deshalb sind lichtstarke Objektive und Handykameras mit f/1.8 oder f/1.6 im Dunkeln im Vorteil.
  • Die Blende steuert die Schärfentiefe. Eine weite Öffnung stellt einen kleineren Bereich scharf, der Hintergrund verschwimmt. Das ist der klassische Porträt-Look.
  • Am Smartphone ist die Blende meist fest. Sie lässt sich nicht verstellen, und der unscharfe Hintergrund im Porträtmodus wird oft nachträglich per Software berechnet.
  • Der f-Wert allein sagt nicht alles. Sensorgröße und Brennweite entscheiden mit, wie stark der Effekt wirklich ausfällt.

Die einfache Erklärung: die Blende ist die Pupille des Objektivs

Stell dir das Objektiv wie ein Auge vor. Die Blende ist die Pupille: eine Öffnung, die sich weiten oder verengen kann. Bei einer großen Kamera besteht sie aus mehreren dünnen Lamellen, die einen Kreis bilden und ihn größer oder kleiner ziehen. Öffnest du sie weit, kommt viel Licht auf den Sensor, ziehst du sie zu, kommt wenig.

Der f-Wert ist nun das Maß für diese Öffnung. Und hier liegt der Grund für die verwirrende Zählweise: Der f-Wert ist ein Verhältnis, kein absolutes Maß. Er sagt, wie oft der Durchmesser der Öffnung in die Brennweite passt. f/2 heißt, die Öffnung ist halb so groß wie die Brennweite. f/8 heißt, sie ist ein Achtel davon. Ein Achtel ist kleiner als eine Hälfte, also ist f/8 die kleinere Öffnung. Weil die Zahl im Nenner eines Bruchs steht, dreht sich die Logik um: größere Zahl, kleinere Öffnung.

Warum eine kleine Zahl mehr Licht bedeutet

Eine weit geöffnete Blende, also ein kleiner f-Wert, lässt in derselben Zeit mehr Licht auf den Sensor. In hellem Sonnenlicht spielt das kaum eine Rolle. In der Dämmerung, in Innenräumen oder abends macht eine lichtstarke Blende dagegen den Unterschied zwischen einem sauberen und einem verrauschten, dunklen Bild. Deshalb werben Hersteller mit niedrigen f-Werten: Eine Handykamera mit f/1.6 sammelt bei gleicher Belichtungszeit spürbar mehr Licht als eine mit f/2.2. Ob das Foto am Ende besser aussieht, hängt zusätzlich von Sensor, Software und Objektivqualität ab. Aber beim reinen Lichtsammeln hat die weitere Blende die Nase vorn.

Die zweite Wirkung: Schärfentiefe und der unscharfe Hintergrund

Die Blende steuert nicht nur die Helligkeit, sondern auch, wie viel vom Bild scharf ist. Das nennt man Schärfentiefe. Eine weit geöffnete Blende (kleiner f-Wert) stellt nur einen schmalen Bereich scharf, alles davor und dahinter verschwimmt weich. Das ist der Look, den man von Porträts kennt: das Gesicht knackscharf, der Hintergrund ein sanfter Farbnebel. Fotografen nennen diese Hintergrundunschärfe Bokeh. Eine kleine Blende (großer f-Wert wie f/8 oder f/11) macht das Gegenteil: Ein großer Tiefenbereich wird scharf, vom Vordergrund bis zum Horizont, wie man es bei Landschaften will. Wer die Blende an einer richtigen Kamera bewusst wählt, entscheidet also, wie viel vom Motiv scharf sein soll.

Die Blendenreihe

Die üblichen f-Werte folgen keiner willkürlichen Reihe, sondern einer festen Stufung: f/1.4, f/2, f/2.8, f/4, f/5.6, f/8, f/11, f/16. Jeder volle Schritt zur nächsthöheren Zahl halbiert die Lichtmenge, jeder Schritt nach unten verdoppelt sie. Die krummen Zahlen kommen daher, dass zwischen den Stufen jeweils der Faktor Wurzel aus zwei steckt, ungefähr 1,41.

f-Wert Öffnung Licht Schärfentiefe Typisch für
f/1.4 – f/2 sehr weit sehr viel sehr gering Porträt, wenig Licht
f/2.8 – f/4 weit viel gering Allround, Reportage
f/5.6 – f/8 mittel bis klein mittel groß Landschaft, Gruppen
f/11 – f/16 klein wenig sehr groß Landschaft mit viel Tiefe

Für alle, die es genau wissen wollen: Verhältnis, Eintrittspupille und der Smartphone-Sonderfall

Ab hier wird es technisch. Wer nur den praktischen Teil wollte, kann zum Abschnitt über den Gebrauchtkauf springen.

Warum der f-Wert ein Verhältnis ist

Der f-Wert ist definiert als die Brennweite geteilt durch den Durchmesser der Eintrittspupille. Die Eintrittspupille ist die Blendenöffnung so, wie sie durch die vordere Linse hindurch von außen erscheint, nicht der reine mechanische Durchmesser. Aus der Definition folgt die Schreibweise mit dem Schrägstrich: f/2 ist wörtlich zu lesen als Brennweite geteilt durch zwei.

Der Clou an dieser Verhältnisrechnung: Ein bestimmter f-Wert liefert an jedem Objektiv dieselbe Helligkeit, egal wie lang die Brennweite ist. Ein Weitwinkel bei f/4 und ein Teleobjektiv bei f/4 belichten gleich hell. Genau dafür wurde die Blendenzahl erfunden, sie macht die Lichtstärke von Objektiven vergleichbar, ohne dass man die absoluten Öffnungsdurchmesser umrechnen muss. Dass dabei ein voller Schritt die Lichtmenge halbiert, liegt an der Geometrie: Licht fällt durch eine Kreisfläche, und die wächst mit dem Quadrat des Durchmessers. Um sie zu halbieren, teilt man den Durchmesser durch die Wurzel aus zwei. Daher die krumme Reihe.

Warum das Smartphone trotz f/1.8 alles scharf abbildet

Smartphone-Kameras haben oft beeindruckend niedrige f-Werte, f/1.8 oder darunter. Trotzdem bekommst du damit selten aus eigener optischer Kraft den weichen Hintergrund einer großen Kamera. Der Grund ist die Schärfentiefe, und die hängt nicht nur vom f-Wert ab, sondern auch von der Brennweite und der Sensorgröße.

Die Kameras im Handy haben eine sehr kurze reale Brennweite und einen winzigen Sensor. Beides sorgt dafür, dass fast alles scharf abgebildet wird, vom Nahbereich bis in die Ferne. Der niedrige f-Wert dient hier vor allem dem Lichtsammeln, kaum der Hintergrundunschärfe. Deshalb rechnen Smartphones den Porträt-Look meist mit Software nach: Sie schätzen per Tiefenerkennung, was Vordergrund und was Hintergrund ist, und blenden den Hintergrund künstlich weich. Darum ist der f-Wert am Handy nicht eins zu eins mit dem einer Systemkamera vergleichbar. Dazu kommt, dass die Blende bei den allermeisten Smartphones fest verbaut ist, weil verstellbare Lamellen im flachen Gehäuse kaum Platz finden. Der angegebene Wert ist dann der einzige, den die Kamera hat.

Was das für dich heißt, auch beim Gebrauchtkauf

Beim Kauf eines Smartphones ist der f-Wert eine der ehrlichsten Kamera-Angaben im Datenblatt, weil er eine physikalische Eigenschaft beschreibt und sich nicht durch Marketing aufblasen lässt. Ein niedriger Wert an der Hauptkamera deutet auf brauchbare Fotos bei wenig Licht. Achte dabei darauf, welche Kamera gemeint ist, denn Ultraweitwinkel und Tele haben oft schwächere Blenden.

Gerade bei einem geprüften Smartphone aus zweiter Hand lohnt der Blick auf dieses Detail: Die Optik altert nicht wie ein Akku, ein f/1.8-Objektiv sammelt Licht nach Jahren genauso wie am ersten Tag. Ob ein Gerät neu oder generalüberholt ist, ändert nichts an der Blende.

Talkis Empfehlung

Merk dir die eine Regel, dann verstehst du jede Kamera-Angabe: Kleine Zahl, große Öffnung, mehr Licht. Der f-Wert sagt dir, wie gut eine Kamera im Dunkeln arbeitet und, an großen Kameras, wie stark sie den Hintergrund freistellt. Am Smartphone ist er fest verbaut und dient vor allem dem Licht, den weichen Hintergrund liefert dort die Software. Beim Vergleich zweier Smartphones ist ein niedriger f-Wert an der Hauptkamera ein solides, ehrliches Argument, das du weder überbewerten noch ignorieren solltest.

Geprüfte Smartphones ansehen

Häufige Fragen

Was bedeutet die Blende bei der Kamera? Die Blende ist die Öffnung, durch die Licht ins Objektiv fällt. Der f-Wert gibt an, wie groß diese Öffnung im Verhältnis zur Brennweite ist. Eine weite Blende lässt viel Licht durch und stellt einen kleineren Bereich scharf, eine kleine Blende lässt wenig Licht durch und macht mehr scharf.

Warum ist f/1.8 besser als f/2.8? Weil die Zahl ein Verhältnis ist und im Nenner steht. Eine kleinere Zahl bedeutet eine größere Öffnung. f/1.8 lässt also mehr Licht durch als f/2.8. Bei wenig Licht ist das ein Vorteil. Für maximale Schärfe über die ganze Tiefe kann eine kleinere Öffnung besser passen.

Kann ich die Blende am Smartphone verstellen? In aller Regel nicht. Die Blende ist bei den meisten Handykameras fest verbaut, der angegebene f-Wert ist der einzige, den die Kamera hat. Modelle mit verstellbarer Blende sind die Ausnahme.

Was hat die Blende mit dem unscharfen Hintergrund zu tun? Eine weit geöffnete Blende stellt nur einen schmalen Bereich scharf, der Rest verschwimmt. Diese Hintergrundunschärfe heißt Bokeh. An großen Kameras entsteht sie optisch, am Smartphone wird sie im Porträtmodus meist per Software nachgerechnet.

Quellen und zum Weiterlesen

  • Wikipedia: F-number (Definition als Verhältnis von Brennweite zu Eintrittspupille, Blendenreihe, Wurzel-Zwei-Stufung, gleiche Helligkeit bei gleichem f-Wert).
  • RP Photonics Encyclopedia: F-number (Lichtdurchsatz, Brennweite, Schärfentiefe, Arbeits-Blendenzahl aus fachoptischer Sicht).
  • Wikipedia: Depth of field (Zusammenhang von Blende, Brennweite und Sensorgröße mit der Schärfentiefe).
  • Wikipedia: Entrance pupil (die Eintrittspupille als maßgebliche Öffnung für den f-Wert).

Weiterlesen

Vorheriger Artikel Warum dein Speicher weniger anzeigt, als draufsteht
z