Notch, Punch-Hole, Dynamic Island: die Kamera-Aussparungen erklärt

Notch, Punch-Hole, Dynamic Island: die Kamera-Aussparungen erklärt

Tech-Wissen · Hintergrund
Dieser Artikel geht tiefer als unsere üblichen Ratgeber. Oben steht die verständliche Erklärung mit dem praktischen Fazit, weiter unten der Abschnitt für alle, die genau wissen wollen, was hinter der Aussparung steckt und warum sie mal breit und mal winzig ist. Mit Quellen zum Nachlesen.

Oben im Display sitzt eine Aussparung: mal eine breite Kerbe, mal ein kleines rundes Loch, mal eine schwebende schwarze Pille, die sich bewegt. Diese Formen haben Namen. Die Kerbe heißt Notch, das Loch Punch-Hole, die Pille bei Apple Dynamic Island. Sie sehen unterschiedlich aus, lösen aber alle dasselbe Problem: Irgendwo muss die Frontkamera hin, und der Bildschirm soll trotzdem möglichst den ganzen Rahmen füllen. Dieser Artikel erklärt, was die drei Begriffe bedeuten, warum die Aussparung bei manchen Handys groß und bei anderen klein ist, und woran du beim Gebrauchtkauf erkennst, welche Generation du vor dir hast.

Talkis Tipp. Wenn du dir nur eine Sache merkst: Die Größe der Aussparung sagt dir, was dahinter steckt. Ein kleines Loch (Punch-Hole) beherbergt nur die Selfie-Kamera. Eine breite Kerbe (Notch) oder die Dynamic Island beim iPhone verstecken eine ganze Sensorreihe für die 3D-Gesichtserkennung Face ID. Kein Design ist besser oder schlechter, es hängt davon ab, wie das Handy dein Gesicht erkennt. — Talki, dein Berater

Das Wichtigste in Kürze

  • Notch ist die breite Kerbe am oberen Displayrand. Apple hat sie 2017 mit dem iPhone X eingeführt. Sie beherbergt die komplette TrueDepth-Kamera für Face ID.
  • Punch-Hole ist das kleine, meist runde Loch mitten oder in der Ecke im Display. Es sitzt vor allem in Android-Handys und verbirgt nur die einzelne Frontkamera.
  • Dynamic Island ist Apples pillenförmige Aussparung ab dem iPhone 14 Pro (2022). Sie ist ein Stück Software um die Kamera-Aussparung herum, das sich bewegt und Infos anzeigt.
  • Die Größe folgt der Technik dahinter. Eine echte 3D-Gesichtserkennung braucht mehrere Sensoren nebeneinander, also mehr Platz. Eine einzelne Kamera kommt mit einem winzigen Loch aus.
  • Alle drei lösen dasselbe: möglichst viel Bildschirm bei möglichst wenig Rand. Sie sind Design-Zwischenschritte auf dem Weg zum vollflächigen Display.

Warum es die Aussparung überhaupt gibt

Früher hatten Handys oben und unten einen breiten schwarzen Balken, die sogenannte Stirn und das Kinn. Darin steckten Kamera, Lautsprecher und Sensoren. Als die Ränder immer schmaler wurden, blieb ein Problem: Die Frontkamera braucht freie Sicht nach vorne, sie kann nicht einfach unter Leuchtpixeln verschwinden. Also schneidet man ein Stück aus dem Display heraus und lässt den Bildschirm drumherum laufen. Genau das ist die Aussparung. Ihre Form ist die Antwort auf die Frage, wie viel Technik dort Platz finden muss.

Der Notch: die breite Kerbe fürs Gesichtsscannen

Den Notch hat Apple 2017 mit dem iPhone X eingeführt, zusammen mit dem randlosen Super-Retina-Display. In der Kerbe sitzt nicht nur eine Kamera, sondern ein ganzes Paket, das Apple TrueDepth-Kamera nennt. Dazu gehören laut Apple ein Punktprojektor, eine Infrarotkamera und ein Flutlicht (Flood Illuminator), dazu die eigentliche Selfie-Kamera, der Hörmuschel-Lautsprecher und weitere Sensoren.

Dieses Paket ist die Voraussetzung für Face ID, Apples Gesichtserkennung. Der Projektor wirft laut Apple mehr als 30.000 unsichtbare Infrarotpunkte auf dein Gesicht und erzeugt daraus ein präzises 3D-Modell. Weil dafür mehrere Bauteile nebeneinanderpassen müssen, ist der Notch so breit. Er ist kein modischer Balken, sondern schlicht der Platz, den die Sensorreihe braucht. Wie diese 3D-Erkennung genau arbeitet, steht im Ratgeber Wie funktioniert Face ID und der Fingerabdruck?.

Das Punch-Hole: nur ein Loch für die Kamera

Viele Android-Handys gehen einen anderen Weg. Statt einer breiten Kerbe stanzen sie ein einzelnes, kleines Loch ins Display, meist rund, manchmal als Pille für zwei Kameras. Samsung nennt das Infinity-O-Display und schneidet das Loch per Laser präzise ins Panel, eingeführt mit dem Galaxy S10 im Jahr 2019.

Der Grund für das kleinere Loch: Dahinter sitzt nur die Selfie-Kamera, keine 3D-Sensorreihe. Diese Handys entsperrst du in der Regel über einen Fingerabdrucksensor, oft direkt im Display, und die Gesichtsentsperrung arbeitet dann mit der normalen Kamera in zwei Dimensionen. Das ist bequem, aber weniger fälschungssicher als eine echte 3D-Erkennung, und es braucht eben nur eine Kamera. Weniger Technik, kleineres Loch.

Die Dynamic Island: aus der Aussparung wird Bedienfläche

2022 hat Apple mit dem iPhone 14 Pro die Idee gedreht. Statt die Aussparung zu verstecken, macht die Dynamic Island sie nutzbar. Apple hat die TrueDepth-Kamera nach eigenen Angaben so überarbeitet, dass sie weniger Displayfläche einnimmt, und legt um die verbliebene pillenförmige Aussparung eine schwarze Softwarefläche. Diese Fläche ist nicht starr: Sie wächst, schrumpft und ändert die Form, um Dinge anzuzeigen, ohne den Inhalt darunter zu stören.

Apple beschreibt das als Verschmelzen von Hardware und Software. In der Praxis zeigt die Dynamic Island zum Beispiel den Face-ID-Vorgang, einen laufenden Timer, die Musikwiedergabe, eine Wegbeschreibung oder ein ankommendes Gericht als sogenannte Live-Aktivität. Mit Tippen und Halten öffnest du die zugehörige App. Die Aussparung ist damit vom Schönheitsfehler zum festen Bedienelement geworden. Ab den iPhone-15- und iPhone-16-Reihen hat Apple die Dynamic Island auf die ganze Modellpalette ausgeweitet.

Die drei Formen im Vergleich

Form Aussehen Was steckt dahinter Typisch für
Notch (2017) breite Kerbe oben mittig Face-ID-Sensorreihe (TrueDepth) iPhone X bis iPhone 14 / 14 Plus
Punch-Hole (2019) kleines Loch, rund oder Pille nur die Frontkamera viele Android-Handys, z. B. Samsung Galaxy
Dynamic Island (2022) pillenförmig, beweglich verkleinerte Face-ID-Sensoren plus Software iPhone 14 Pro und neuer

Für alle, die es genau wissen wollen: warum Apple die breitere Aussparung behält

Ab hier wird es technisch. Wer nur den praktischen Teil wollte, kann zum Abschnitt über den Gebrauchtkauf springen.

Auf den ersten Blick wirkt es rückständig, dass viele Android-Handys längst mit einem winzigen Punch-Hole auskommen, während iPhones eine deutlich größere Aussparung tragen. Der Grund ist keine Bequemlichkeit, sondern eine bewusste Entscheidung für die Art der Entsperrung. Face ID ist ein optisches 3D-Verfahren: Das Flutlicht taucht dein Gesicht in unsichtbares Infrarotlicht, der Punktprojektor legt ein Raster aus zehntausenden Punkten darüber, und die Infrarotkamera vermisst, wie dieses Raster sich über die Form deines Gesichts verzieht. Daraus entsteht eine Tiefenkarte, kein flaches Foto. Genau diese drei Bauteile brauchen Platz nebeneinander, und deshalb bleibt die Aussparung breiter als ein einzelnes Kameraloch.

Die meisten Android-Hersteller haben sich gegen diesen Weg entschieden. Sie setzen auf einen Fingerabdrucksensor, oft unsichtbar unter dem Display, und ersparen sich die Sensorreihe. Ihre Gesichtsentsperrung nutzt meist nur die normale Frontkamera und arbeitet zweidimensional: schneller und billiger, aber leichter mit einem Foto auszutricksen. Weniger Sensoren, kleinere Aussparung. Wer den kleinsten Ausschnitt will, geht noch weiter: Unter-Display-Kameras sitzen komplett hinter den Leuchtpixeln, sodass gar kein Loch mehr sichtbar ist. Diese Technik steckt aber noch in den Anfängen, weil die Kamera durch das Display hindurch fotografieren muss und die Bildqualität darunter leidet.

Wie das Display drumherum funktioniert und warum sich einzelne Bereiche gezielt abschalten lassen, erklärt der Ratgeber Wie funktioniert ein OLED-Display?. Genau das macht die schwarze Fläche der Dynamic Island erst möglich: Wo Schwarz gezeigt wird, ist das Pixel einfach aus, und die Aussparung verschmilzt optisch mit der Software.

Was das für dich beim Gebrauchtkauf heißt

Die Form der Aussparung ist ein zuverlässiger Alters-Hinweis, wenn du ein generalüberholtes iPhone suchst. Ein durchgehender Notch steht für die Generationen vom iPhone X bis zum iPhone 14 und 14 Plus. Die Dynamic Island erkennst du an der frei schwebenden Pille, sie gibt es erst ab dem iPhone 14 Pro und durchgehend ab der iPhone-15-Reihe. Ein Blick auf den oberen Displayrand verrät dir also grob, in welcher Ära ein Modell steckt.

Wichtig für die Kaufentscheidung: Face ID funktioniert hinter dem Notch genauso zuverlässig wie hinter der Dynamic Island, die Technik dahinter ist im Kern dieselbe. Lass dich von einem älteren Notch-Modell also nicht abschrecken, es ist kein Mangel, sondern ein Design-Jahrgang. Ob sich die neuere Dynamic Island für dich lohnt, hängt eher daran, ob du die Live-Aktivitäten oben tatsächlich nutzen willst.

Talkis Empfehlung

Notch, Punch-Hole und Dynamic Island sind keine Konkurrenten, sondern drei Antworten auf dieselbe Frage: Wohin mit der Kamera, wenn der Rand verschwinden soll? Merke dir die einfache Regel, dann brauchst du keine Datenblätter: Ein winziges Loch heißt einzelne Kamera, eine breite Kerbe oder die bewegliche Pille heißt Face-ID-Sensorik. Beim Gebrauchtkauf ist die Aussparung ein praktischer Alters-Kompass. Und wenn dir jemand die Dynamic Island als Grund verkaufen will, unbedingt zum neuesten Modell zu greifen: Sie ist ein nettes Bedien-Extra, kein Sicherheitsgewinn. Wenn du unsicher bist, welches Modell zu dir passt, frag mich.

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Häufige Fragen

Was ist ein Notch? Der Notch ist die breite Kerbe am oberen Rand des Displays, eingeführt mit dem iPhone X im Jahr 2017. In ihr sitzt die komplette TrueDepth-Kamera, also die Sensorreihe für die Gesichtserkennung Face ID sowie die Selfie-Kamera. Deshalb ist der Notch breiter als ein einfaches Kameraloch.

Was ist der Unterschied zwischen Notch und Punch-Hole? Der Notch ist eine breite Kerbe und beherbergt eine ganze Sensorreihe für die 3D-Gesichtserkennung. Das Punch-Hole ist ein kleines, meist rundes Loch und verbirgt nur die einzelne Frontkamera. Punch-Hole-Handys entsperrst du meist über einen Fingerabdruck, deshalb reicht dort weniger Platz.

Was ist die Dynamic Island? Die Dynamic Island ist Apples pillenförmige Aussparung ab dem iPhone 14 Pro. Sie umgibt die Kamera-Aussparung mit einer beweglichen Softwarefläche, die sich verändert, um den Face-ID-Vorgang, Timer, Musik oder Live-Aktivitäten anzuzeigen. Mit Tippen und Halten öffnest du die zugehörige App.

Warum hat das iPhone eine größere Aussparung als viele Android-Handys? Weil Face ID ein echtes 3D-Verfahren ist, das mehrere Sensoren nebeneinander braucht: Flutlicht, Punktprojektor und Infrarotkamera. Diese Sensorreihe benötigt mehr Platz als eine einzelne Frontkamera. Viele Android-Handys verzichten darauf und nutzen einen Fingerabdrucksensor, deshalb reicht ihnen ein kleines Punch-Hole.

Welche iPhones haben einen Notch, welche die Dynamic Island? Einen Notch tragen die Modelle vom iPhone X bis zum iPhone 14 und 14 Plus. Die Dynamic Island gibt es ab dem iPhone 14 Pro und dann durchgehend ab der iPhone-15-Reihe. Beide beherbergen dieselbe Face-ID-Technik, die Gesichtserkennung arbeitet identisch sicher. Der Unterschied liegt nur in der Bedienung drumherum, nicht in der Sicherheit.

Quellen und zum Weiterlesen

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