Warum wird mein iPhone langsamer? Das iPhone-11-Phänomen erklärt
Dieser Artikel geht tiefer als unsere üblichen Ratgeber. Oben steht die verständliche Einordnung mit dem Fazit, weiter unten der Abschnitt für alle, die wissen wollen, was Chips, Software und die eigene Wahrnehmung dabei genau tun. Mit Quellen zum Nachlesen.
Du kennst das vielleicht: 2019 war das iPhone 11 ein Rennwagen. Apps sprangen auf, alles reagierte sofort, und niemand hätte es langsam genannt. Heute nimmst du dasselbe Gerät in die Hand, nachdem du ein paar Monate ein iPhone 16 benutzt hast, und es fühlt sich zäh an. Die Kamera braucht einen Moment, Safari lädt sichtbar, Wechsel zwischen Apps stottern. Was ist da passiert? Ist das iPhone 11 wirklich langsamer geworden, oder bildest du dir das ein? Die ehrliche Antwort ist: beides ein bisschen, aber anders, als die meisten denken. Der Chip hat kein Tempo verloren. Verändert haben sich drei andere Dinge: die Software, die auf ihm läuft, der Maßstab, an dem du misst, und in manchen Fällen der Akku. Dieser Artikel sortiert die drei Effekte und sagt, wie viel an jedem dran ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Hardware wird nicht langsamer. Ein A13-Chip rechnet 2026 genauso schnell wie 2019. Was sich abnutzt, ist nur der Akku, und der kann über Apples Leistungsmanagement das Tempo drücken.
- Die Software wächst mit der Hardware. Apps sind in wenigen Jahren um ein Vielfaches größer geworden, Webseiten laden heute über die Hälfte mehr JavaScript als 2019, und iOS rechnet im Hintergrund mehr als früher. Das kostet auf einem Chip von 2019 spürbar.
- Das iPhone 16 ist objektiv rund doppelt so schnell. Apple selbst nennt bis zu 80 Prozent mehr CPU-Leistung gegenüber dem A13, Benchmarks zeigen etwa den Faktor zwei, dazu doppelt so viel Arbeitsspeicher. Das Display ist dagegen bei beiden 60 Hertz.
- Dein Kopf verschiebt den Maßstab. Menschen gewöhnen sich an Tempo innerhalb von Wochen. Danach wird das alte Gerät nicht mehr mit 2019 verglichen, sondern mit dem neuen. Und Verschlechterungen spürt man stärker als Verbesserungen.
- Was hilft: Batteriezustand prüfen, Speicher freihalten, nach einem großen Update ein paar Tage warten, Transparenzeffekte reduzieren. Wenn das nicht reicht, ist meistens nicht das Gerät kaputt, sondern dein Anspruch gewachsen.
Ist dein iPhone 11 wirklich langsamer geworden?
Zuerst die beruhigende Nachricht: Ein Prozessor altert nicht wie ein Motor. Der A13 Bionic im iPhone 11 hat heute exakt dieselbe Rechenleistung wie am ersten Tag. Es gibt keinen Verschleiß in den Transistoren, keine Abnutzung durch Benutzung. Wenn du ein iPhone 11 mit frischem Akku und der Software von 2019 starten könntest, wäre es so schnell wie damals.
Trotzdem gibt es drei echte, messbare Bremsen, die ein altes iPhone langsamer machen können. Alle drei haben nichts mit dem Chip zu tun.
Erstens der Akku. Ein Lithium-Ionen-Akku altert chemisch und kann irgendwann die Stromspitzen nicht mehr liefern, die der Chip unter Volllast kurz braucht. Damit das Gerät dann nicht einfach ausgeht, hat Apple ein Leistungsmanagement eingebaut. Beim iPhone 11 und neuer ist es laut Apple ständig aktiv und arbeitet automatisch. Es soll die Folgen der Akkualterung möglichst klein halten, Apple nennt aber ausdrücklich mögliche Auswirkungen: längere App-Starts, niedrigere Bildraten, längere Rechenzeiten, in Extremfällen eine gedimmte Anzeige. Das ist derselbe Mechanismus, der 2017 als Drosselung älterer iPhones für Schlagzeilen sorgte und Apple in Frankreich ein Bußgeld von 25 Millionen Euro sowie in den USA einen Vergleich über bis zu 500 Millionen Dollar einbrachte, weil die Kunden nicht informiert worden waren. Seitdem zeigt iOS den Batteriezustand offen an. Liegt deine maximale Kapazität deutlich unter 80 Prozent, ist der Akku ein realer Teil der Erklärung. Was der Wert bedeutet, steht im Ratgeber iPhone-Batteriezustand: Was ist normal?, und ob sich ein Tausch lohnt, im Ratgeber Akku tauschen oder neues Handy?.
Zweitens der Speicher. Ein fast voller Flash-Speicher arbeitet langsamer, weil der Controller vor jedem Schreibvorgang erst Platz freiräumen muss und das Dateisystem mit den Jahren fragmentiert. Forschung an Android-Geräten hat gezeigt, dass App-Starts auf einem gealterten, fragmentierten Dateisystem deutlich länger dauern können. Für das iPhone gibt es dazu keine eigene Messung, der Mechanismus ist aber derselbe. Faustregel: Wenn weniger als rund zehn Prozent frei sind, wird es zäh. Was du löschen kannst, zeigt der Ratgeber iPhone-Speicher voll: Platz schaffen.
Drittens Hitze. Apple sieht den Betrieb zwischen 0 und 35 Grad Umgebungstemperatur vor. Wird das Gerät zu warm, reduziert iOS die Leistung, Apple nennt dafür niedrigere Bildraten und längere Verarbeitungszeiten. Ein iPhone 11, das beim Navigieren in der Sonne am Armaturenbrett klebt, ist danach wirklich langsamer, aber nur, bis es abgekühlt ist. Warum Hitze dem Akku zusätzlich dauerhaft schadet, erklärt der Tech-Wissen-Artikel Warum Hitze Lithium-Akkus schadet.
Dazu kommt ein vierter Effekt, der nur vorübergehend ist: Nach jedem großen iOS-Update indexiert das iPhone tagelang im Hintergrund neu. Fotos werden nach Personen und Objekten durchsucht, Spotlight baut seinen Index auf. Apple beschreibt in seiner eigenen Forschung, dass die Personenerkennung periodisch läuft, typischerweise nachts beim Laden. In den ersten Tagen nach dem Update fühlt sich ein altes iPhone deshalb oft langsamer und wärmer an als vorher, und das legt sich dann wieder.
Wenn keine dieser vier Bremsen greift, hat dein iPhone 11 technisch nichts verloren. Dann bleiben die beiden anderen Erklärungen.
Der Maßstab ist gewandert: iPhone 11 und iPhone 16 in Zahlen
Der zweite Teil der Antwort ist schlicht: Das iPhone 16 ist viel schneller, und du hast dich daran gewöhnt. Wie groß der Abstand ist, lässt sich beziffern.
| Merkmal | iPhone 11 (2019) | iPhone 13 (2021) | iPhone 16 (2024) |
|---|---|---|---|
| Chip | A13 Bionic, 7 nm | A15 Bionic, 5 nm | A18, 3 nm |
| Geekbench 6, Single-Core | rund 1.750 | rund 2.200 | rund 3.300 |
| Geekbench 6, Multi-Core | rund 4.000 | rund 5.300 | rund 8.000 |
| Arbeitsspeicher | 4 GB | 4 GB | 8 GB |
| Display | LCD, 60 Hz | OLED, 60 Hz | OLED, 60 Hz |
| Apple Intelligence | nein | nein | ja |
| iOS 27 (2026) | ja | ja | ja |
Die Benchmark-Werte sind gerundete Durchschnitte aus Geekbench 6, sie schwanken je nach Messung um einige Prozent. Die Richtung ist eindeutig: Das iPhone 16 rechnet etwa doppelt so schnell wie das iPhone 11, in einem Kern wie in allen zusammen. Apple selbst formuliert es in der Vorstellung des iPhone 16e vorsichtiger und nennt eine bis zu 80 Prozent schnellere CPU gegenüber dem A13 und eine bis zu sechsmal schnellere Neural Engine. Das iPhone 13 liegt dazwischen, rund ein Viertel über dem 11.
Drei Dinge an dieser Tabelle sind wichtiger als die reinen Punktzahlen.
Der Arbeitsspeicher hat sich verdoppelt. Das iPhone 11 hat 4 GB, das iPhone 16 ist das erste Basis-iPhone mit 8 GB, was Apple ungewöhnlicherweise selbst bestätigt hat. RAM bestimmt nicht, wie schnell eine App rechnet, sondern wie viele Apps gleichzeitig im Speicher bleiben dürfen. Wird der Platz knapp, beendet iOS Hintergrund-Apps, und beim nächsten Wechsel starten sie von vorn: Safari lädt Tabs neu, Instagram baut den Feed neu auf, die Banking-App fragt erneut nach dem Login. Genau dieses Neu-Laden ist einer der Momente, in denen ein altes iPhone „langsam“ wirkt, obwohl der Chip gar nicht ausgelastet ist. Mit 8 GB passiert das viel seltener. Interessant am Rande: Das iPhone 13 hat zwar den schnelleren Chip, aber dieselben 4 GB wie das 11. Beim Multitasking ist der Sprung zum 16 deshalb größer als der zum 13. Mehr dazu im Ratgeber RAM und Speicher: der Unterschied beim Handy.
Das Display ist nicht der Grund. Viele vermuten hinter dem flüssigeren Gefühl eine höhere Bildwiederholrate. Beim Basis-iPhone 16 stimmt das nicht: Es läuft wie das iPhone 11 mit 60 Hertz, erst das iPhone 17 hat 120 Hertz ins Basismodell gebracht. Wer vom iPhone 16 auf ein 11 zurückwechselt, spürt also keine Bildrate, sondern Rechenzeit: Animationen, die auf dem 16 ohne einen einzigen ausgelassenen Frame laufen, lassen auf dem 11 hier und da einen aus. Was 120 Hertz tatsächlich bringen, erklärt der Ratgeber 120 Hz beim Handy: sinnvoll oder Marketing?.
Die Neural Engine ist sechsmal schneller. Das merkst du nicht an einer Zahl, sondern daran, dass iOS immer mehr Aufgaben auf diesen Teil des Chips legt: Texterkennung in Fotos, Spracherkennung auf dem Gerät, Bildanalyse, seit dem iPhone 15 Pro auch Apple Intelligence. Das iPhone 11 bekommt viele dieser Funktionen ebenfalls, rechnet sie aber auf einem Chip, der dafür 2019 nicht gebaut wurde.
Die Software wächst mit der Hardware
Jetzt zum spannendsten Teil, der deine Vermutung bestätigt: Es sind tatsächlich massiv Funktionen dazugekommen. Das Phänomen ist in der Informatik seit dreißig Jahren beschrieben. Niklaus Wirth, der Erfinder von Pascal, zitierte 1995 in seinem Aufsatz „A Plea for Lean Software“ die Beobachtung seines Kollegen Martin Reiser: Software wird schneller langsamer, als Hardware schneller wird. Wirth nannte zwei Gründe, die beide bis heute gelten: Hardware wächst so schnell, dass niemand sparsam programmieren muss, und Kunden unterscheiden nicht zwischen Funktionen, die sie brauchen, und solchen, die nur nett sind. Also wandern alle rein.
Wie groß der Effekt ist, zeigen ein paar Zahlen.
- Apps. Der Marktforscher Sensor Tower hat 2017 die zehn meistinstallierten iPhone-Apps in den USA vermessen: Zusammen wuchsen sie von 164 Megabyte im Mai 2013 auf rund 1,9 Gigabyte im Mai 2017, das Zwölffache in vier Jahren. Die Facebook-App allein ging von 32 auf 388 Megabyte. Heute liegt sie im deutschen App Store bei über 500 Megabyte. Größe ist nicht gleich Rechenlast, aber sie ist ein guter Indikator dafür, wie viel Code beim Start geladen, entpackt und initialisiert werden muss.
- Web. Das HTTP Archive misst jedes Jahr, was eine durchschnittliche Webseite lädt. Die Menge an JavaScript, die eine mobile Seite im Median ausliefert, stieg von 359 Kilobyte im Jahr 2019 auf 558 Kilobyte im Jahr 2024, ein Plus von rund 55 Prozent. JavaScript ist der Teil einer Webseite, den der Prozessor ausführen muss, nicht nur anzeigen. Rund 44 Prozent dieser Bytes werden beim Laden gar nicht gebraucht. Dein Safari auf dem iPhone 11 verarbeitet heute also bei jeder Seite mehr Code als 2019, und zwar Code, der für aktuelle Chips geschrieben wurde.
- iOS selbst. Seit iOS 15 laufen Live Text (Texterkennung in Fotos) und die Spracherkennung von Siri auf dem Gerät, beides ab dem A12-Chip, also auch auf dem iPhone 11. Die Fotos-App erkennt Personen und Objekte lokal auf der Neural Engine. Mit iOS 26 kam die Liquid-Glass-Oberfläche mit durchscheinenden, unscharf gezeichneten Flächen, die bei jeder Bewegung neu berechnet werden. Das iPhone 11 ist das älteste Gerät, das sie bekommt, und es gab Berichte über Ruckler auf A13-Geräten. Apple hat mit iOS 26.1 einen Schalter nachgereicht, mit dem sich die Oberfläche auf „Getönt“ stellen lässt.
Dass Software ein altes iPhone bremst, gibt Apple indirekt selbst zu, und zwar dann, wenn es das Gegenteil tut. iOS 12 wurde 2018 ausdrücklich für ältere Geräte optimiert: Apple nannte für ein iPhone 6 Plus bis zu 70 Prozent schnellere Kamera-Starts und bis zu doppelt so schnelle App-Starts unter Last. Und iOS 27 wirbt 2026 mit bis zu 30 Prozent schnelleren App-Starts, gemessen von Apple auf einem iPhone 11 Pro Max im Vergleich zu iOS 26.6. Ein Test von Macworld auf demselben Modell fand für die Karten-App 3,0 Sekunden unter iOS 26 und 1,4 Sekunden unter der ersten Beta von iOS 27. Wenn ein Update ein Gerät um die Hälfte beschleunigen kann, dann hat das vorherige Update es auch um ein gutes Stück gebremst. Der Chip war in beiden Fällen derselbe.
Das ist die Kernaussage dieses Abschnitts: Dein iPhone 11 ist nicht langsamer geworden. Es bekommt nur jedes Jahr mehr Arbeit.
Warum dein Kopf den Unterschied so stark spürt
Bleibt der dritte Faktor, und der ist der größte. Selbst wenn du ein iPhone 11 mit frischem Akku, leerem Speicher und einem schlanken iOS hättest, würde es sich nach ein paar Monaten mit dem iPhone 16 langsam anfühlen. Das liegt an der Wahrnehmung, und die ist gut erforscht.
Fünf Mechanismen aus Psychologie und Mensch-Maschine-Forschung erklären, warum dasselbe Gerät heute träge wirkt. Wer nur das Fazit will, springt zum nächsten Abschnitt.
1. Der Maßstab ist nie absolut. Der Psychologe Harry Helson hat 1964 in seiner Adaptationsniveau-Theorie beschrieben, dass wir Reize nicht an einem festen Nullpunkt messen, sondern am Durchschnitt dessen, was wir zuletzt erlebt haben. Dieses Niveau wandert mit. Nach drei Monaten iPhone 16 ist „normal“ für dich das Tempo des A18. Das iPhone 11 wird dann nicht mit dem iPhone 11 von 2019 verglichen, sondern mit deinem neuen Normal, und gegen das verliert es. 2019 war dein Vergleichsmaßstab ein iPhone 7 oder 8, und dagegen war das 11 ein Sprung nach vorn.
2. Gewöhnung ist schnell und wird unterschätzt. Die Forschung nennt das hedonische Adaptation: Die Freude über eine Verbesserung ebbt ab, das Empfinden kehrt zum Ausgangsniveau zurück. Wang, Novemsky und Dhar zeigten 2009 im Journal of Consumer Research, dass Konsumenten beim Kauf systematisch unterschätzen, wie schnell sie sich an ein Produktmerkmal gewöhnen. Das neue Tempo ist nach wenigen Wochen kein Erlebnis mehr, sondern Grundzustand. Erst der Rückweg macht es wieder sichtbar.
3. Die Schwellen sind hart. Jakob Nielsen hat 1993 drei Grenzen für Antwortzeiten festgehalten, die seit den 1960ern stabil sind: Bis 0,1 Sekunden fühlt sich ein System sofort an, bis etwa 1 Sekunde bleibt der Gedankenfluss erhalten, obwohl man die Verzögerung bemerkt, ab 10 Sekunden wandert die Aufmerksamkeit ab. Ein App-Start, der auf dem iPhone 16 bei 0,6 Sekunden liegt und auf dem 11 bei 1,2, überschreitet genau die Grenze, an der aus „sofort“ ein „warten“ wird. Dasselbe Gerät mit derselben Software konnte 2019 unter dieser Schwelle liegen und liegt heute darüber.
4. Wir merken erstaunlich kleine Unterschiede. Wie fein die Wahrnehmung bei Touch-Bedienung ist, hat eine Forschungsgruppe um Daniel Wigdor in mehreren Studien gemessen. Deber und Kollegen fanden 2015, dass Nutzer beim Ziehen auf einem Touchscreen schon Latenzunterschiede von rund 11 Millisekunden bemerken, beim Tippen rund 69 Millisekunden. Und das Entscheidende: Eine Verbesserung um nur 8 Millisekunden fiel über viele Ausgangswerte hinweg auf. Was der Finger einmal schneller erlebt hat, vermisst er danach. Für Zeitspannen im Sekundenbereich gilt grob, dass ein Unterschied von zehn Prozent wahrnehmbar ist; ein iPhone, das in allem doppelt so lange braucht, liegt weit jenseits dieser Schwelle.
5. Ruckler wiegen schwerer als Tempo. Eine Studie von Nvidia Research aus dem Jahr 2023 untersuchte, wie Menschen schwankende Bildzeiten wahrnehmen. Ergebnis: Unregelmäßige Frames senken die empfundene Flüssigkeit deutlich, und das Urteil orientiert sich eher am längsten Aussetzer als am Durchschnitt. Übertragen auf das iPhone 11 heißt das: Es muss gar nicht dauerhaft langsamer sein. Es reicht, dass eine Animation ab und zu einen Frame auslässt, damit das Gesamtbild als „ruckelig“ abgespeichert wird. Das iPhone 16 hat so viel Reserve, dass solche Aussetzer praktisch nicht vorkommen.
Dazu kommt ein sechster Punkt aus der Verhaltensökonomie: Verluste wiegen schwerer als gleich große Gewinne. Tversky und Kahneman haben das 1991 als Verlustaversion beschrieben, in späteren Schätzungen etwa mit dem Faktor zwei. Der Wechsel vom 11 zum 16 fühlte sich als Gewinn vermutlich kleiner an, als sich der Rückweg jetzt als Verlust anfühlt, obwohl es derselbe Abstand ist.
Das Zusammenspiel erklärt das Phänomen fast vollständig. Das iPhone 16 verschiebt dein Normal, die Gewöhnung macht das Tempo unsichtbar, die Nielsen-Schwelle verwandelt ein Zehntel mehr Wartezeit in ein anderes Gefühl, einzelne Ruckler prägen das Urteil, und der Rückweg zählt doppelt. Das iPhone 11 ist unschuldig. Es ist genau so schnell wie immer.
Übrigens ist dieser Mechanismus auch ein Grund, warum Handys so früh ausgetauscht werden. Das Umweltbundesamt hat 2016 Daten der Stiftung Warentest ausgewertet: 40 Prozent der Befragten, die ihr Handy innerhalb von drei Jahren tauschten, taten das, weil sie „einfach ein noch besseres Gerät haben wollten“, nur 9 Prozent wegen eines schwachen Akkus. Das Umweltbundesamt nennt das psychologische Obsoleszenz und sieht darin die entscheidende Rolle bei der kurzen Nutzungsdauer.
Was du tun kannst, wenn dein iPhone langsam ist
Bevor du dein iPhone 11 abschreibst, nimm die vier echten Bremsen aus dem Weg. Das dauert zehn Minuten.
- Batteriezustand prüfen. Einstellungen, Batterie, Batteriezustand und Laden. Steht die maximale Kapazität unter 80 Prozent oder meldet iOS eine Wartung, ist der Akku der Hauptverdächtige. Ein Akkutausch bringt dann oft mehr als jede andere Maßnahme.
- Speicher freihalten. Einstellungen, Allgemein, iPhone-Speicher. Ziel: mindestens zehn Prozent frei, besser mehr. Große Videos, alte Chats und nie benutzte Apps sind die üblichen Platzfresser.
- Nach einem Update warten. Die ersten zwei bis drei Tage nach einem großen iOS-Update sind nicht repräsentativ. Lade das Gerät nachts am Strom, damit die Indexierung durchläuft.
- Transparenz reduzieren. Unter iOS 26 und neuer: Einstellungen, Anzeige und Helligkeit, Liquid Glass auf „Getönt“. Zusätzlich unter Bedienungshilfen, Anzeige und Textgröße die Option „Transparenz reduzieren“ sowie „Bewegung reduzieren“. Das spart dem A13 sichtbar Arbeit.
- Hintergrundaktualisierung ausdünnen. Einstellungen, Allgemein, Hintergrundaktualisierung. Was nicht im Hintergrund laufen muss, aus. Das entlastet RAM und Akku gleichzeitig.
- Neustart. Klingt banal, räumt aber den Arbeitsspeicher auf. Einmal pro Woche reicht.
Wenn das Gerät danach immer noch träge wirkt, hat es sehr wahrscheinlich kein Problem. Dann ist einfach dein Anspruch gewachsen, und das ist legitim.
Was das für dich heißt, auch beim Gebrauchtkauf
Für die Entscheidung heißt das: Ein iPhone 11 ist 2026 kein kaputtes, sondern ein langsam gewordenes Gerät im Verhältnis zu dem, was Software und Erwartung heute verlangen. Es bekommt weiterhin iOS 27, telefoniert, fotografiert und streamt. Wer von einem noch älteren Modell kommt oder das Handy vor allem für Nachrichten, Navigation und Musik nutzt, wird es nicht als langsam empfinden, weil der Maßstab ein anderer ist. Ob es sich als Einstiegsgerät noch lohnt, steht im Ratgeber iPhone 11 noch kaufen?.
Wer vom iPhone 16 kommt, wird mit dem 11 nicht glücklich, und zwar aus den Gründen oben, nicht wegen eines Defekts. Dann lohnt der Blick auf die Mitte: Ein generalüberholtes iPhone 13 rechnet rund ein Viertel schneller als das 11, hat aber dieselben 4 GB Arbeitsspeicher, beim Multitasking bleibt der Abstand zum 16 also spürbar. Den eigentlichen Sprung macht erst das iPhone 16 mit doppeltem Tempo und doppeltem RAM. Der Vergleich der beiden älteren Modelle steht im Ratgeber iPhone 11 oder 13?, und wann sich das Vorjahresmodell gegenüber dem aktuellen lohnt, im Ratgeber Aktuelles oder Vorjahresmodell?.
Beim Gebrauchtkauf gilt dasselbe wie beim eigenen Gerät: Der Chip kann nicht verschlissen sein. Was du prüfen musst, sind Batteriezustand und freier Speicher, alles andere ist Software und Gewöhnung. Worauf du beim Akku eines gebrauchten Handys achtest, erklärt der Ratgeber Akkugesundheit beim gebrauchten Handy prüfen.
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Talkis Empfehlung
Das iPhone-11-Phänomen hat drei Ursachen, und keine davon ist ein müder Chip. Die Software ist in sieben Jahren spürbar schwerer geworden, das iPhone 16 ist objektiv rund doppelt so schnell und hat doppelt so viel Arbeitsspeicher, und dein Kopf hat sein Normal auf dieses Tempo gesetzt. Prüfe Akku und Speicher, dann weißt du, ob das Gerät ein Problem hat. Hat es keins, dann ist das iPhone 11 heute genau so schnell wie 2019. Nur die Welt um es herum ist schneller geworden, und du mit ihr. Wenn dir das nicht reicht, ist das ein guter Grund für ein neueres Gerät. Es ist aber kein Grund, dem alten etwas vorzuwerfen.
Häufige Fragen
Wird ein iPhone mit der Zeit wirklich langsamer? Der Prozessor nicht, er rechnet nach Jahren genauso schnell wie am ersten Tag. Langsamer werden können drei andere Dinge: der Akku, der über Apples Leistungsmanagement das Tempo drücken kann, ein fast voller Speicher und die Software, die mit jedem Update mehr Arbeit mitbringt. Dazu kommt, dass sich der eigene Maßstab verschiebt, sobald man ein neueres Gerät kennt.
Drosselt Apple alte iPhones absichtlich? Apple drosselt nicht, um zum Neukauf zu bewegen, sondern um unerwartete Abschaltungen bei gealtertem Akku zu verhindern. Das Leistungsmanagement ist beim iPhone 11 und neuer laut Apple ständig aktiv. Weil Apple 2017 nicht darüber informiert hatte, gab es Bußgelder und Vergleiche in Frankreich, Italien und den USA. Seitdem zeigt iOS den Batteriezustand offen an, und ein neuer Akku stellt das volle Tempo wieder her.
Ist das iPhone 16 wirklich so viel schneller als das iPhone 11? Ja, etwa um den Faktor zwei. Apple nennt bis zu 80 Prozent mehr CPU-Leistung des A18 gegenüber dem A13, Benchmarks zeigen rund doppelte Werte, und der Arbeitsspeicher ist von 4 auf 8 GB gewachsen. Das Display läuft bei beiden Basismodellen mit 60 Hertz, daran liegt der Unterschied also nicht.
Mein iPhone ist nach dem Update langsam. Ist das normal? In den ersten Tagen ja. Das iPhone indexiert nach einem großen Update im Hintergrund Fotos und Suchinhalte neu, das kostet Rechenzeit und Akku. Lade es nachts am Strom und warte zwei bis drei Tage, bevor du ein Urteil fällst. Unter iOS 26 hilft außerdem, Liquid Glass auf „Getönt“ zu stellen und die Transparenz zu reduzieren.
Lohnt sich ein Akkutausch beim iPhone 11 noch? Wenn die maximale Kapazität deutlich unter 80 Prozent liegt und das Gerät sonst in Ordnung ist, oft ja. Der Akku ist die einzige Komponente, die ein iPhone wirklich langsamer macht, und ein Tausch stellt das volle Tempo des Chips wieder her. Er ändert aber nichts daran, dass die Software weiter wächst. Die Entscheidungshilfe dazu steht im Ratgeber Akku tauschen oder neues Handy?.
Quellen und zum Weiterlesen
- Apple Newsroom: Apple debuts iPhone 16e (A18-CPU bis zu 80 Prozent schneller als A13, Neural Engine bis zu sechsmal schneller).
- Notebookcheck: Apple iPhone 16 im Test (Geekbench-6- und 3DMark-Messungen, 60-Hertz-Display).
- MacRumors: All iPhone 16 models have 8GB of RAM (Apples Bestätigung des Arbeitsspeichers); iFixit: iPhone 11 Teardown (4 GB LPDDR4X).
- Apple Support: iPhone-Batterie und Leistung und Batterie und Leistung des iPhone 11 und neuer (Leistungsmanagement, mögliche Auswirkungen: längere App-Starts, niedrigere Bildraten).
- Apple Support: Wenn dein iPhone zu heiß oder zu kalt wird (Leistungsreduzierung bei Hitze).
- Apple: iOS 27 (App-Starts bis zu 30 Prozent schneller, gemessen auf iPhone 11 Pro Max gegenüber iOS 26.6); Apple Newsroom: Apple previews iOS 12 (Beschleunigung älterer Geräte, iPhone 6 Plus).
- Macworld: iOS 27 on older iPhones (App-Startzeiten iPhone 11 Pro Max unter iOS 26 und iOS 27 Beta, Einzeltest).
- Niklaus Wirth: A Plea for Lean Software, IEEE Computer, Februar 1995 (Reisers Beobachtung, Ursachen des Software-Wachstums).
- Sensor Tower: iOS App Size Growth (Top-10-Apps 2013 bis 2017 um das Zwölffache gewachsen).
- HTTP Archive Web Almanac: JavaScript 2024 (mobiles JavaScript im Median 359 KB 2019, 558 KB 2024; 44 Prozent ungenutzt).
- Apple Machine Learning Research: Recognizing People in Photos Through Private On-Device Machine Learning (Personenerkennung lokal, periodisch nachts beim Laden).
- Nielsen Norman Group: Response Times: The 3 Important Limits (0,1 / 1 / 10 Sekunden).
- Deber, Jota, Forlines, Wigdor: How Much Faster is Fast Enough?, CHI 2015 (Wahrnehmungsschwellen für Touch-Latenz: 11 ms Ziehen, 69 ms Tippen).
- Klein, Spjut, Boudaoud, Kim (Nvidia Research): The Influence of Variable Frame Timing on First-Person Gaming, 2023 (schwankende Bildzeiten senken empfundene Flüssigkeit).
- Wang, Novemsky, Dhar: Anticipating Adaptation to Products, Journal of Consumer Research 2009 (Gewöhnung an Produktmerkmale wird unterschätzt). Helson: Adaptation-Level Theory, Harper & Row 1964.
- Tversky, Kahneman: Loss Aversion in Riskless Choice, Quarterly Journal of Economics 1991 (Verluste wiegen schwerer als Gewinne).
- Umweltbundesamt: Einfluss der Nutzungsdauer von Produkten auf ihre Umweltwirkung, Texte 11/2016 (Austauschgründe nach Stiftung Warentest 2013, psychologische Obsoleszenz).
- CNBC/Reuters: Apple to pay up to $500 million to settle lawsuit over slow iPhones; Que Choisir: 25 millions d'euros d'amende pour Apple (Verfahren zur Drosselung 2017 bis 2020).